Achtung,
wenn es in Wersten am Montag an der Haustür klingelt, könnte
der Regierungspräsident
vor
der Tür stehen. Jürgen Büssow (SPD) ist mit einigen Werstener
Genossen fest zum Wahlkampf verabredet. Klinken putzen für die SPD?
„An jeder Tür zu klingeln, das fällt auch mir nicht leicht“,
sagt der Polit-Profi, schiebt den Teller mit Salatresten einer Portion
Heringsstipp beiseite und blickt auffordernd in die etwa 20-köpfige
Runde des Ortsvereins. „Doch wir sollten das machen.“ Die Genossen an den
rustikalen Holztischen im „Werstener Hof“ nicken zustimmend. „Vertrauen
muss erarbeitet werden, dazu gehört eben auch Nähe“, sagt der
Kandidat, nippt genüsslich an seinem Pils und ist schon fast auf Wahlkampftemperatur.
Der
öffentliche Teil der Jahreshauptversammlung des Ortsvereins
Wersten
hat begonnen, doch ist die Runde der Getreuen überschaubar geblieben.
Sie braucht
Büssow,
das politische Schwergewicht aus dem Regierungsschlösschen an der
Cecilienallee, nicht mehr zu überzeugen. „Ich wusste genau, du bist
der Richtige“, ist der Ortsvereinsvorsitzende Norbert Fischer überzeugt.
Doch was ist mit dem Wähler? Den will Büssow sich in den kommenden
Wochen vorknöpfen. Die Stimmung bei den Genossen ist gelöst bis
heiter. Büssow weiß, warum: „Unser bester Wahlkampfhelfer ist
die schwarz-gelbe Koalition.“ Doch will er deswegen auf „seine Themen“
nicht verzichten. Sie lauten: Industriepolitik, Arbeitsmarkt, Bildung.
„Die
Industrie braucht Standortsicherheit, das sichert Arbeitsplätze“,
sagt Büssow, schließlich hingen zwei Drittel aller Jobs direkt
oder indirekt von der Industrie ab. Und gerade für den Düsseldorfer
Süden sei sie besonders wichtig: „Henkel, Demag, Krupp Nirosta – das
ist unser
Lebensbezug.“
Der
Regierungspräsident wirft sich ins Kreuz, bezieht Position: Er ist
für neue Kohlekraftwerke, weil die weniger CO2 ausstoßen als
die alten, für einen schrittweisen Ausbau erneuerbarer Energien, für
die Erweiterung von Flughäfen, vor allem der Geschäftsverkehre,
doch bitte nicht in der Nacht.
Die
Gymnasien will er erhalten, aber „ein |
integriertes
Angebot“ daneben stellen. Von Gesamtschulen redet er nicht, und um Bezeichnungen
will er nicht streiten. „Die FDP
will
eine regionale Mittelschule, das ist doch nichts anderes als eine integrierte
Sek. 1.“ Ganztagsschulen müssen ausgebaut werden, findet Düsseldorfs
oberster Schulaufseher. Will die CDU das nicht auch?
Moment
noch. Büssow mag keine Zwergschulen und die so häufig von Eltern
geforderten kleinen Klassen auch nicht. „Kleine Klassen und Schulen fressen
Lehrer“, sagt der Diplom-Pädagoge. Weil die Lehrerverteilung in NRW
nach Schülerköpfen erfolge, fehlten Schulen mit kleinen Klassen
die Lehrer an anderen Stellen, so etwa beim Förder- oder Nachhilfeunterricht.
Kleine Schulen hätten erfahrungsgemäß Vertretungsprobleme.
Büssow ist sicher: „Mit 25 Schülern muss man arbeiten können.“
Und da war noch was, das ihn von CDU
und
FDP unterscheidet: der Mindestlohn. „Meine Friseurin hat 800 Euro netto,
davon kann man in Düsseldorf nicht leben.“
INFO
Der Kandidat
Bei der
Landtagswahl am 9. Mai tritt Jürgen Büssow (63) im Wahlkreis
43 (Süd) gegen Peter Preuß (CDU) an.
1946 in
Bonn-Bad Godesberg geboren
1963 Gesellenprüfung
als Orthopädiemechaniker
1974 Studienabschluss
Pädagogik und Sozialarbeit
1975-1995 Landtagsabgeordneter
der SPD für Düsseldorf-Süd
1975 Regierungspräsident
Büssows Amtszeit endet
im Alter von 65 Jahren im Jahr 2011. Im Falle eines Wahlsieges im Mai würde
er das Amt bis 2011 ruhen lassen. |
(RP, 26.02.2010) |