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Klinken putzen für die SPD
RegierungspräsidentJürgen Büssow eröffnet den Landtagswahlkampf. Ab Montag geht der SPD-Kandidat für den Düsseldorfer Süden in Wersten von Tür zu Tür. Im SPD-Ortsverein lief er sich bei Heringsstipp und Pils warm.
Jürgen Büssow in Wersten
Der Landtagskandidat Jürgen Büssow positioniert sich vor dem Ortsverein Wersten: Der Wahlkampf beginnt, und die SPD spürt Rückenwind. „Die schwarz-gelbe Koalition ist unser bester Wahlhelfer“, sagt der Regierungspräsident, will sich auf sie allein aber nicht verlassen.
 RP-Foto: Ch. Göttert
Achtung, wenn es in Wersten am Montag an der Haustür klingelt, könnte der Regierungspräsident
vor der Tür stehen. Jürgen Büssow (SPD) ist mit einigen Werstener Genossen fest zum Wahlkampf verabredet. Klinken putzen für die SPD? „An jeder Tür zu klingeln, das fällt auch mir nicht leicht“, sagt der Polit-Profi, schiebt den Teller mit Salatresten einer Portion Heringsstipp beiseite und blickt auffordernd in die etwa 20-köpfige Runde des Ortsvereins. „Doch wir sollten das machen.“ Die Genossen an den rustikalen Holztischen im „Werstener Hof“ nicken zustimmend. „Vertrauen muss erarbeitet werden, dazu gehört eben auch Nähe“, sagt der Kandidat, nippt genüsslich an seinem Pils und ist schon fast auf Wahlkampftemperatur.
Der öffentliche Teil der Jahreshauptversammlung des Ortsvereins
Wersten hat begonnen, doch ist die Runde der Getreuen überschaubar geblieben. Sie braucht 
Büssow, das politische Schwergewicht aus dem Regierungsschlösschen an der Cecilienallee, nicht mehr zu überzeugen. „Ich wusste genau, du bist der Richtige“, ist der Ortsvereinsvorsitzende Norbert Fischer überzeugt. Doch was ist mit dem Wähler? Den will Büssow sich in den kommenden Wochen vorknöpfen. Die Stimmung bei den Genossen ist gelöst bis heiter. Büssow weiß, warum: „Unser bester Wahlkampfhelfer ist die schwarz-gelbe Koalition.“ Doch will er deswegen auf „seine Themen“ nicht verzichten. Sie lauten: Industriepolitik, Arbeitsmarkt, Bildung.
„Die Industrie braucht Standortsicherheit, das sichert Arbeitsplätze“, sagt Büssow, schließlich hingen zwei Drittel aller Jobs direkt oder indirekt von der Industrie ab. Und gerade für den Düsseldorfer Süden sei sie besonders wichtig: „Henkel, Demag, Krupp Nirosta – das ist unser
Lebensbezug.“
Der Regierungspräsident wirft sich ins Kreuz, bezieht Position: Er ist für neue Kohlekraftwerke, weil die weniger CO2 ausstoßen als die alten, für einen schrittweisen Ausbau erneuerbarer Energien, für die Erweiterung von Flughäfen, vor allem der Geschäftsverkehre, doch bitte nicht in der Nacht.
Die Gymnasien will er erhalten, aber „ein 
integriertes Angebot“ daneben stellen. Von Gesamtschulen redet er nicht, und um Bezeichnungen will er nicht streiten. „Die FDP
will eine regionale Mittelschule, das ist doch nichts anderes als eine integrierte Sek. 1.“ Ganztagsschulen müssen ausgebaut werden, findet Düsseldorfs oberster Schulaufseher. Will die CDU das nicht auch?
Moment noch. Büssow mag keine Zwergschulen und die so häufig von Eltern geforderten kleinen Klassen auch nicht. „Kleine Klassen und Schulen fressen Lehrer“, sagt der Diplom-Pädagoge. Weil die Lehrerverteilung in NRW nach Schülerköpfen erfolge, fehlten Schulen mit kleinen Klassen die Lehrer an anderen Stellen, so etwa beim Förder- oder Nachhilfeunterricht. Kleine Schulen hätten erfahrungsgemäß Vertretungsprobleme. Büssow ist sicher: „Mit 25 Schülern muss man arbeiten können.“ Und da war noch was, das ihn von CDU
und FDP unterscheidet: der Mindestlohn. „Meine Friseurin hat 800 Euro netto, davon kann man in Düsseldorf nicht leben.“
 
INFO
Der Kandidat
Beider Landtagswahl am 9. Mai tritt Jürgen Büssow (63) im Wahlkreis 43 (Süd) gegen Peter Preuß (CDU) an.
1946in Bonn-Bad Godesberg geboren
1963Gesellenprüfung als Orthopädiemechaniker
1974Studienabschluss Pädagogik und Sozialarbeit
1975-1995Landtagsabgeordneter der SPD für Düsseldorf-Süd
1975Regierungspräsident
Büssows Amtszeit endet im Alter von 65 Jahren im Jahr 2011. Im Falle eines Wahlsieges im Mai würde er das Amt bis 2011 ruhen lassen.

(RP, 26.02.2010)

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